Dienstag, 30. Juni 2015

Aletschhorn - Nordwand

Ein Versuch

Nomen est omen. Und dass dies auch bei alpinen Flurnamen gilt, durfte ich am Lötschentaler Langgletscher mehrmals am eigenen Leib erfahren. Der Weg zwischen der Fafleralp (1.766 m) und Hollandiahütte (3.240 m) an der Lötschenlücke ist mir von diversen alpinen Touren bestens bekannt:

Erstmals Ende 80er Jahre, als wir nach einer Begehung der Ebnefluh Nordwand direkt von Stechelberg über die Lötschenlücke ins gleichnamige Tal abstiegen. Und dieses Jahr Anfang Mai während einer Skibesteignung des Gross Grünhorn mit Übernachtung auf der Hollandiahütte.

Aletschhorn von der Hollandiahütte
Diesmal waren wir zu Fuss unterwegs und wollten das Aletschhorn über die eindrucksvolle Nordflanke besteigen. Leider mussten wir die Tour knapp unter der Wandmitte (Foto: genau Bildmitte) abbrechen, da ich mit Übelkeit und Schwindel zu tun hatte. Aber die Berge laufen ja nicht weg. Wir kommen wieder!


Donnerstag, 25. Juni 2015

Fletschhorn - Nordwand

Auf Spuren von Österreichern am Schweizer Fast-Viertausender mit Blick nach Italien.

Als diese imposante Nordwandroute vor über 50 Jahren von Erich Vanis und Kollegen erstmals begangen wurde, gab es zwischen Simplon-Egga und dem Wandeinstieg noch keine feste Unterkunft. Man biwakierte im Freien am Fuss des Ostgrates der Sengchuppa oder etwas südwestlich davon in Richtung Rossbodengletscher.
Dagegen bietet das Biwak Piero de Zen, das Ende der 90er Jahre von der SAC Sektion Brig zusammen mit Bergsteigern aus dem Piemont auf über 3.000 m Höhe errichtet wurde, ein Minimum an Komfort, um für eine Begehung der Wiener Route gewappnet zu sein: Einen trockenen und windgeschützten Schlafplatz mit Wolldecken und Kochgeschirr. Ein Minimum an Komfort, mehr nicht.

Fletschhorn N-Wand mit Wiener Route im rechten Teil
Offiziell hat es 9 Plätze, aber ab 5 wird es sicher eng und ungemütlich. Gut, dass wir gerade zu viert waren, nachdem sich kurz vor der Abenddämmerung noch ein Walliser Bergführer mit seiner Tochter zu uns in die Blechschachtel gesellten. Sie hatten das gleiche Ziel am nächsten Tag, wollten jedoch mit Ski die Wand wieder abfahren.
Roger kurz vor Tagesanbruch
Wecken war um 3.45 Uhr angesagt und eine gute halbe Stunde später befanden wir uns schon auf dem Weg zum Bergschrund, der relativ problemlos zu überschreiten war.

So richtig gut geschlafen hat keiner von uns, was sicher an der Höhe, aber auch an der Anspannung lag.
Die Wand selbst war gut zu begehen, es gab viele Firnpassagen sowie einige Bruchharschabschnitte mit weniger verfestigtem Untergrund. Roger ging voraus, ich mit etwas flauem Gefühl in der Magengegend hinterher. Das Seil benötigten wir angesichts der guten Verhältnisse nicht.

Im mittleren Wandteil (Foto R. Gasser)

Nach einer knappen Stunde war die markante Felsinsel erreicht, die wir links umgingen, nach einer weiteren Stunde galt es, einen Durchschlupf bei der Gratwächte zu finden. Die Wand hatte sich hier auf ca. 55 Grad aufgesteilt, die letzten 2 Meter erforderten nochmal die volle Konzentration, bevor wir über einen spektakulären Wächtenausschnitt auf dem flachen und windigen Gipfelgrat aussteigen konnten.

Kurz vor dem Ausstieg (Foto R. Gasser)
Es trennten uns noch eine halbe Stunde Gratwanderung zum Fletschhorn Gipfel. Interessanterweise markiert das hölzerne Gipfelkreuz nicht den höchsten Punkt: Die Firnkalotte ist doch um einige Meter höher. Ob es das Fletschhorn irgendwann einmal zum Viertausender schafft?

Unsere Walliser Verfolger entschlossen sich angesichts der unterschiedlichen Firnverhältnisse doch gegen eine Steilabfahrt durch die Wand und nahmen den Normalweg unter die Bretter. Unser Abstieg in Saastal war eigentlich reine Formsache, wenn auch ein kleiner unscheinbarer Bergschrund nochmal eine Wochendosis an Adrenalin ausschüttete.

Egga/Simplon (1.580 m) - Biwak de Zen (3.014 m) - Fletschhorn (3.985 m)
Biwak - Gratausstieg (3 Std.) - Gipfel (40 min.)
Schöne ÖV-Tour
Fotos: Roger Gasser

Sonntag, 21. Juni 2015

Pollux - Der kleine Bruder

Stippvisite an den Dioskuren - Wetterbedingt mussten wir auf den Castor verzichten. Frühmorgendlicher Aufbruch an der Mountain Lodge am Klein Matterhorn mit kalten und kräftigen Windböen am Pollux Gipfelgrat. Abstieg über die Westflanke und zurück zur Bergstation der Klein-Matterhorn Bahn.
(Bild folgt noch)

Samstag, 13. Juni 2015

Mönch - Ein wachsender Viertausender

Als ich den Mönch in den Berner Alpen 1984 als meinen ersten Viertausender bestieg, wurde dessen Höhe mit 4.099 m angegeben. 31 Jahre später misst dieser Berg mittlerweile 4.107 m. Wie kann das sein?
Einerseits wird mittlerweile mit anderen (und vermutlich genaueren) Methoden gemessen, andererseits ändert sich die Höhe mit der Zeit, da der Gipfel aus einer Firnkalotte besteht. Damals sind wir über den Nollen aufgestiegen, auf der Route, bei der unserem Freund Ralf und seinem Seilpartner ein halbes Jahr zuvor ein Schlechtwettereinbruch zum Verhängnis wurde.
Allein am Gipfel - Sicht Weiss-in-Weiss
Meinen ursprünglichen Plan, von der Station Eigergletscher über die Westflanke des Eigers aufzusteigen, musste ich wegen viel zu warmen Temperaturen aufgeben, und so fuhr ich mit der ersten Bahn aufs Joch und stand zwei Stunden später am Gipfel. Eigentlich ein No-Go, denn solche Segnungen unserer Zivilisation versuche ich - zumindest im Aufstieg - zu vermeiden. Den Mönch hatte ich ja schon "by fair means" bestiegen (wenn auch die letzten 8 Meter zum heutigen Gipfel fehlten) und so betrachtete ich dieses Unternehmen einfach als Trainings- und Akklimatisationstour.

Mönch von Süden
Im Laufe des Nachmittags verschlechterten sich die Verhältnisse deutlich, es gab Graupel und 10 cm Neuschnee, so dass ich zusammen mit Roger nach einer Nacht auf der Mönchsjochhütte unverrichteter Dinge wieder in Richtung Mittelland reiste.
Vereiste Felsen an der Hütte

Samstag, 6. Juni 2015

Geburtstagstour am Glärnisch - Mit Roman am Vrenelisgärtli

Das Glarner Vreneli zählt zwar nicht als Alternative zum harten Schweizer Franken und gilt eher als touristische Währung. Für uns verbirgt sich hinter dem Namen ein Ziel, das man mit keinen Geld der Welt erkaufen kann, eher mit Schweiss und Muskelkraft, das Vrenelis Gärtli, ein 2.904 m hoher Gipfel am Glärnisch.
Exponierte Kletterstelle am Schwander Grat
Gegen Mittag verlassen wir Plätz im Klöntal (820 m) und erreichen nach einem Rivella-Zwischenstopp bei der Käsern-Alp und vielen anschliessenden Spitzkehren drei Stunden später die Glärnisch Hütte des Schweizer Alpen Clubs (1.990 m). Bis kurz nach der Alp kann man auch das Bike benutzen, was sich besonders beim Abstieg als Vorteil herausstellt - sofern man ein solches mit sich führt. Nach kurzer Hüttenrast wollten wir nicht völlig untätig den Nachmittag verstreichen lassen und erkundeten schon mal den frühmorgendlichen Zustieg. Der Weg ist auch bei Dämmerung leicht zu finden, ein kurzer Steilaufschwung fordert etwas Konzentration und man erreicht nach zwei kurzen Schneefeldern bald darauf den Glärnisch Firn.
Firngrat - das Firnfeld hinten links: Vrenelis Gärtli
Diesen betreten wir am kommenden Morgen gegen 6 Uhr als zweite Seilschaft. Der Anstieg ist moderat, der Firn zwar weich aber dennoch griffig, und wir erreichen bald die exponierte Abstiegsstelle zum Verbindungsgrat, von wo sich das Tagesziel samt Weg dorthin gut einsehen lässt. Kurz vor dem Gipfel begegnet uns absteigend das Paar, das eine viertel Stunde vor uns die Hütte verlassen hat. Wir danken artig für die geleistete Spurarbeit, auch wenn deren Schuhgrösse gern ein paar Nummern zu klein geraten waren. Auch wir befinden uns bald am Gipfel (8.15), geniessen die Aussicht und machen uns bald auf den Rückweg.
Gegen Mittag sind wir dann wieder am Ausgangspunkt, gut 2.200 m tiefer, nicht ohne den mehrfachen Hinweis, das nächste Mal die Mountain Bikes mitzunehmen.
Kein Kindergeburtstag - Der Ältere hat Geburtstag - Welcher?